Nachhaltige Geldanlage: Eine schnelle Übersicht

Dieser Artikel ist keine Anlageberatung und dient lediglich der Information.

Wie nachhaltig ist nachhaltig?

Nachhaltige Produkte gibt es viele auf dem Markt, ist aber oft Etikettenschwindel. Wer nachhaltig Geld anlegen will, stößt schnell auf hellgrüne Produkte mit Ökolabel, die kaum halten was sie versprechen. Wer wirklich dunkelgrün investieren will, muss genauer hinschauen.

Zunächst mal ist der Begriff „nachhaltig" leider kein rechtlich geschützter Ausdruck und kann daher von jedem frei interpretiert werden. Genau das macht ihn anfällig für Greenwashing. Im Finanzsektor ist der Begriff etwas präziser gefasst, dort spricht man von „ökologisch nachhaltig", einem Begriff, der seit 2020 in der EU-Taxonomie sowie seit 2021 in der SFDR rechtlich verankert ist. Wie nachhaltig das in der Praxis aber wirklich aussieht, hängt stark von den zugrunde liegenden Kriterien ab.

Darum sollte sich jeder selbst fragen: Was verstehe ich unter Nachhaltigkeit? Worauf möchte ich meinen Fokus legen? Wer sich mit dem Thema noch nicht intensiv auseinandergesetzt hat, es aber richtig machen möchte, ist hier genau richtig. Im Folgenden findet sich ein kompakter Überblick über die wichtigsten Bausteine einer nachhaltigen Geldanlage, ohne dass man sich vorab zu viele Gedanken machen muss. Denn anzufangen und einen kleinen Schritt zu machen ist besser, als sich durch zu viele Informationen und Möglichkeiten blockieren zu lassen.

Grüne und ethische Banken

Der aus meiner Sicht essentiellste und effektivste Punkt beim nachhaltigen Investieren ist ein Konto bei einer dunkelgrünen oder ethischen Bank. Hier kann das Geld direkt wirken, weil die Bank unmittelbar mit ihm arbeitet und darüber soziale und nachhaltige Projekte fördert. Ein direkterer Einfluss lässt sich mit Geld kaum erzielen.

Zunächst sind die meisten von den monatlichen Kosten abgeschreckt. Doch wenn andere Banken „kostenlos“ sind, bedeutet das nicht automatisch, dass keine Kosten entstehen. Sie werden lediglich an anderer Stelle eingespielt. Etwa durch Ausbeutung von Menschen, Natur und Tieren oder durch die Finanzierung problematischer Industrien und Staaten.. Ich sehe die Gebühren sogar als Vorteil: Ich bin froh, die Möglichkeit zu haben, diese Kosten selbst zu tragen und nicht stillschweigend auf Menschen abzuwälzen, die ohnehin schon wenig haben.

Dass solche Konten nicht zwangsläufig gebührenpflichtig sein müssen, zeigt die Umweltbank. Ihr Tagesgeldkonto ist kostenlos und bietet dabei durchaus konkurrenzfähige Zinsen. Wer also keine Gebühr zahlen möchte, kann zumindest beim Tagesgeld kostenfrei umsteigen.

Der Nachteil: Grüne Banken zahlen bei vielen Produkten niedrigere Zinsen als konventionelle Häuser. Betrachtet man das jedoch aus einer weiteren Perspektive, erhält man dafür zusätzlich eine Nachhaltigkeitsrendite.

Fonds und ETFs

Angesichts der kommenden Rentensituation, kommt man als Sparer kaum an Aktien, durch Fonds und ETFs vorbei.

Bei ETFs wird die Suche nach wirklich dunkelgrünen Produkten jedoch deutlich schwieriger. Grundsätzlich empfiehlt sich ein möglichst breites Basisinvestment über alle Branchen und die ganze Welt. Ein Green-Energy-ETF, kann sehr nachhaltig sein, ist aber eine Wette auf einen einzelnen Sektor und eignet sich höchstens als kleine Beimischung, nicht als Fundament des Portfolios.

Global betrachtet gibt es außer dem ETF der Umweltbank kaum vergleichbare Produkte. Wer dennoch dunkelgrün investieren möchte, muss deshalb auf einen aktiv gemanagten Fonds zurückgreifen.
Aktiv gemanagte Fonds haben gegenüber ETFs allerdings deutlich höhere Kosten. Allgemein lohnt sich ihr Einsatz nicht, da wissenschaftlich belegt ist, dass die wenigsten Fondsmanager den Index langfristig schlagen. So plausibel es auch klingen mag, die Realität zeigt ein anderes Bild. Wer nicht explizit auf Nachhaltigkeit aus ist, sollte daher auf einen aktiv gemanagten Fonds verzichten.

Die Ausnahme bildet der Wunsch nach echter Nachhaltigkeit. Hier ergibt Stockpicking Sinn, weil Manager Unternehmen gezielt nach entsprechenden Standards und Nachhaltigkeitskriterien prüfen und auswählen können.
Fondsmanager haben zudem direkten Einfluss auf Unternehmen und üben ihr Stimmrecht aus. Ein einflussreicher Fonds kann Druck ausüben, bestimmte Firmen im Portfolio zu halten oder auszuschließen. Fonds können sich auch an Neuemissionen beteiligen. Hier fließt das Geld direkt in die Unternehmen, anders als beim gewöhnlichen Handel mit bereits ausgegebenen Aktien, bei dem lediglich Anteile den Besitzer wechseln.
Aus meiner Sicht ist der Nachhaltigkeistaspekt der einzige legitime Grund, die höheren Kosten eines aktiv gemanagten Fonds zu tragen. Die meisten ESG-ETFs sind dagegen schlicht nicht grün genug. Der Unterschied zu einem regulären grauen ETF ist häufig zu gering, um den Aufpreis zu rechtfertigen. Wer die Mehrkosten scheut, kann auch gleich konventionell investieren.

Dass Kosten die Rendite schmälern, ist unbestritten. Deshalb predigen klassische FinanzberaterInnen auch stets möglichst niedrige Gebühren. Wie bei den grünen und ethischen Banken gilt aber auch hier, diese Kosten können etwas Gutes bewirken.

Ein verbreitetes Gerücht sollte man dabei entkräften. Nachhaltige Fonds und ETFs performen nicht grundsätzlich schlechter als der Index. Es gibt durchaus Fonds, die in der Vergangenheit mit grauen ETFs mithalten konnten, wobei vergangene Wertentwicklung nie eine Garantie für die Zukunft ist.

Ein klarer Nachteil bleibt jedoch die Diversifikation! Ein MSCI World enthält aktuell rund 1.300 Unternehmen, während die meisten aktiv gemanagten dunkelgrünen Fonds nur etwa 150 bis 300 Positionen umfassen. Das bedeutet eine spürbare Diversifikationseinbuße und kann ein Risiko sein.

Geldmarkt

Eine übliche Lösung im konventionellen Bereich ist ein Geldmarkt-ETF auf kurzlaufende deutsche Bundesanleihe. Passen aber dennoch vergleichsweise gut zu unserem Nachhaltigkeitsansatz. Deutschland weist hohe Umwelt-, Sozial- und Rechtsstandards auf, auch wenn der Staat gleichzeitig klimaschädliche Subventionen vergibt und Waffen in Kriegsgebiete liefert.

Eine Alternative bilden Geldmarkt-ETFs auf den €STR. Hier fehlt jedoch die Kontrolle darüber, welche Unternehmensanleihen im Hintergrund gehalten werden, weshalb sich diese Variante nicht als echte grüne Alternative eignet.

Da Geldmarktanlagen ohnehin auf maximale Sicherheit ausgelegt sein sollten, sollte man hier nicht zu streng sein. Die Bundesanleihe ist hier die naheliegende Wahl.

Anleihen

Zu einem ausgewogenen Portfolio gehört meist auch ein gewisser Anteil an Anleihen. Auch der risikoärmere Teil lässt sich nachhaltig gestalten. Ähnlich wie bei Aktien sollte man sich allerdings nicht allein auf Begriffe wie ESG oder „Green“ verlassen. Wirklich dunkelgrüne Anleihefonds sind bislang selten.

Bei Anleihen stellen sich gleich zwei Frage: Wem leihe ich mein Geld und wofür wird es verwendet? Bei einer gewöhnlichen Unternehmensanleihe erhält das Unternehmen Kapital und kann dieses grundsätzlich für seine Geschäftstätigkeit einsetzen. Bei einem Green Bond wird das aufgenommene Geld dagegen für festgelegte nachhaltige Projekte verwendet. Ein Green Bond ist deshalb aber nicht automatisch dunkelgrün. Auch konventionelle Unternehmen können solche Anleihen herausgeben, ohne dass ihr gesamtes Geschäftsmodell nachhaltig ist.

Wie bei Aktien gibt es dafür aktiv gemanagte Fonds, die Unternehmen und Staaten gezielt nach Nachhaltigkeitskriterien auswählen. Solche dunkelgrünen Rentenfonds existieren, sind aber noch vergleichsweise selten. Auch hier erkauft man sich die strengere Auswahl meist mit höheren Kosten gegenüber einem konventionellen Anleihe-ETF. Viele Green-Bond-ETFs bilden lediglich einen entsprechenden Index ab. Darin können durchaus Anleihen von Unternehmen enthalten sein, die man selbst nicht als nachhaltig einstufen würde.

Eine weitere Möglichkeit sind einzelne Anleihen nachhaltiger Unternehmen. Damit lässt sich sehr genau bestimmen, wem das eigene Geld zur Verfügung gestellt wird. Von Einzelanleihen ist wegen des Projekt- und Klumpenrisikos allerdings abzuraten. Für ein resilientes Portfolio sind Fonds und ETFs deshalb meist die bessere Möglichkeit.

Gold

Wer sein Portfolio zusätzlich mit einem kleinen Goldanteil breiter aufstellen möchte, sollte sich der Schattenseiten des konventionellen Goldabbaus bewusst sein. Für Umwelt und Arbeiter sind die Bedingungen vielerorts verheerend, teils klar ausbeuterisch. Angesichts dieser Zustände ist fair gehandeltes Gold für mich alternativlos, zumal der Bezug fairen Goldes denkbar einfach ist.

Wer Gold ins Portfolio aufnehmen will, ist auf physisches Anlagegold angewiesen, da Gold-ETFs hierfür keine Lösung bieten. In Deutschland ist die Auswahl an fair zertifiziertem Anlagegold sehr klein. Das BMZ-Forum „Verantwortungsvolles Gold" listet für Anlageprodukte hierzulande aktuell nur Fairever, der Fairtrade- und Fairmined-zertifiziertes Gold führt.

Für fair gehandeltes Gold zahlt man eine Fairtrade-Prämie. Ein besonderer Vorteil bei Fairever: Das erworbene Gold kann dort auch wieder zurückverkauft werden. Die gezahlte Fairtrade-Prämie wird dabei zurück erstattet. Damit wird es weniger eine Gebühr, sondern ein Beitrag zum Werterhalt.

Der einzige nennenswerte Nachteil ist die Lagerung des physischen Goldes: Wird es zu Hause aufbewahrt, birgt das ein gewisses Risiko. Viele fühlen sich womöglich unwohl einen solchen Schatz im Hause zu haben. Die Alternative ist ein Bankschließfach, was wiederum zusätzliche Kosten bedeutet.

Mikrofinanzfonds

Wer sein Geld sozial wirksam anlegen möchte, sollte sich Mikrofinanzfonds ansehen. Hier steht nicht die Rendite im Vordergrund, sondern eine gänzlich andere Anlageklasse. Sie bewegt sich im niedrigen Renditebereich, gilt dafür aber historisch als vergleichsweise krisensicher und von allgemeinen Marktschwankungen weitgehend unabhängig.

Mikrofinanzfonds vergeben Kredite an Kleinbauern und Kleinunternehmer, meist in Schwellenländern, und ermöglichen ihnen so eigene Investitionen und wirtschaftlichen Aufbau. Kaum eine andere Anlageform hat so eine hohe soziale Wirkung und hilft so direkt Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Ein geringes Risiko sollte erwähnt werden, das Ausfallrisiko. In der Praxis verteilt sich dieses Risiko allerdings, da ein Mikrofinanzfonds in der Regel mit Dutzenden von Mikrofinanzinstituten zusammenarbeitet, und selbst in Krisenzeiten sind die Ausfallraten bisher niedrig geblieben. Das liegt vor allem am hohen Anteil weiblicher Kreditnehmerinnen, denn sie gelten als besonders zuverlässige Schuldnerinnen. Hinzu kommt außerdem ein Währungsrisiko, weil viele Kredite in lokaler Währung vergeben werden und Wechselkursschwankungen die Rendite in Euro schmälern können.

Da es sich hierbei um echte Kredite und Kreditnehmerinnen handelt, sind diese Anteile nicht wie andere Anlageklassen täglich handelbar. Je nach Fonds ist die Rücknahme nur monatlich, quartalsweise oder sogar halbjährlich möglich. Es handelt sich also um eine längerfristige Anlage.

Der erste Schritt

Dass eine nachhaltige, grüne oder soziale Geldanlage einen Nutzen für Umwelt und Mensch hat, ist unumstritten. Das ist ein riesiger Vorteil gegenüber vielen anderen persönlichen Klimaschutzmaßnahmen. Während viele davon eine Umstellung und dauerhafte Anstrengung im Alltag verlangen, reicht bei der Geldanlage ein einmaliger Schritt, der danach von selbst weiterarbeitet. Aus meiner Sicht bietet kaum eine andere Maßnahme einen größeren Nutzen im Verhältnis zum Aufwand.

Niemand ist perfekt, und das muss deine Geldanlage auch nicht sein. Wichtiger als die perfekte Lösung ist der erste Schritt. Der einfachste Schritt könnte die Umstellung auf ein grünes oder soziales Tagesgeldkonto sein, ähnlich gravierend sehe ich den Einfluss von fairem Gold. Diese beiden Bausteine sollte jeder haben, dem Umwelt oder Menschen am Herzen liegen.

Quellen

Der Artikel basiert auf meinem eigenen Wissen und wurde durch die unten aufgeführten Quellen ergänzt.