Ist Bitcoin nachhaltig und mehr als nur ein Stromfresser?

Ist Bitcoin nachhaltig und mehr als nur ein Stromfresser?
Photo by DrawKit Illustrations / Unsplash

Bitcoin und Nachhaltigkeit passen auf den ersten Blick kaum zusammen. Wir sollen Strom sparen, Häuser dämmen und Verbrenner ersetzen, und gleichzeitig verbraucht ein digitales Zahlungsmittel jedes Jahr Energie in der Größenordnung eines Industrielandes.
Doch der Stromverbrauch von Bitcoin hat Eigenschaften, die ihn von anderen Großverbrauchern unterscheiden. Wie sieht die Bilanz also wirklich aus?

Wie viel Strom Bitcoin tatsächlich verbraucht

Das Cambridge Centre for Alternative Finance schätzt den Verbrauch des Netzwerks nach vorläufigen Zahlen für den Dezember 2025 auf rund 190 Terawattstunden im Jahr. Das sind etwa 0,6 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs. Im Bericht davor lag der Wert noch bei 138 Terawattstunden. Ganz Berlin verbrauchte 2024 dagegen rund 12,3 Terawattstunden. Bitcoin benötigt damit etwa das Fünfzehnfache des Berliner Jahresverbrauchs.
Die Emissionen wuchsen langsamer als der Verbrauch. Cambridge schätzt sie auf rund 48 Millionen Tonnen CO₂e, das entspricht etwa 0,08 Prozent der weltweiten Treibhausgase. Der Grund liegt im Energiemix. Nach dem Cambridge Bericht 2025 stammten 42,6 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen, allen voran Wasserkraft. Die vorläufigen Daten für 2026 nennen sogar 59,4 Prozent emissionsarme Energie, vermutlich einschließlich Atomkraft.

Warum Bitcoin so viel Energie braucht

Bitcoin funktioniert nach dem Prinzip Proof of Work. Spezialisierte Computer konkurrieren darum, neue Blöcke an die Blockchain anzuhängen, und sichern damit das Netzwerk. Wer gewinnt, bekommt neue Bitcoin und Transaktionsgebühren. Der hohe Verbrauch gehört zum Sicherheitskonzept.

Ökostrom macht Bitcoin noch nicht grün

Strom ist eine begrenzte Ressource. Besonders deutlich wird das in Äthiopien. Dort leben fast 600 Millionen Menschen ohne Strom. Äthiopien hat große Wasserkraftwerke und günstigen Strom, und genau das zog Miner an. Reuters berichtete 2024, dass rund 40 Prozent der Bevölkerung keinen Zugang zu Elektrizität hatten. Laut Bloomberg verbrauchen etwa zwei Dutzend Krypto Miner inzwischen fast ein Drittel des erzeugten Stroms. Nach Kritik kündigte die Regierung im August 2025 an, ihre bevorzugte Behandlung in den kommenden Jahren zu beenden.
Das heißt nicht, dass jeder Miner einem Haushalt den Strom wegnimmt. Oft fehlen im ländlichen Raum schlicht Leitungen und Geld für den Netzausbau.

Wenn der Strom nicht verbraucht werden kann

Es gibt allerdings Situationen, in denen Strom im Überfluss vorhanden ist. Wind und Sonne liefern auch dann, wenn wir ihn nicht brauchen. Erzeuger müssen draufzahlen, damit ihnen jemand den Strom abnimmt, oder Anlagen werden ganz abgeregelt.
Miner können an dieser Stelle einspringen, weil sie fast überall stehen können und sich schnell an und ausschalten lassen. Ein Modell für das texanische Stromnetz kam zu dem Ergebnis, dass sich im Maximalfall rund 93 Prozent des sonst abgeregelten Windstroms und Solarstroms nutzen ließen.
Auch in der Praxis gibt es solche Ansätze. In Japan wurden 2023 laut Asahi Shimbun rund 1.920 Gigawattstunden Ökostrom abgeregelt, so viel, wie 450.000 Haushalte im Jahr verbrauchen. Eine Tochter des Netzbetreibers TEPCO testet, diesen Überschuss zu verwerten. Im Virunga Nationalpark im Kongo läuft eine Anlage mit überschüssigem Strom aus einem Wasserkraftwerk und finanziert einen Teil des Parkschutzes. Beides sind Selbstauskünfte der Betreiber, unabhängige Belege für die langfristige Wirkung fehlen bisher.

Vermögen, das man im Kopf mitnehmen kann

Wie Gold und Edelsteine lässt sich auch Bitcoin mitnehmen, wenn man alles andere zurücklassen muss. Wer flieht, vertrieben oder enteignet wird, kann Konten und Immobilien nicht einpacken. Bitcoin dagegen ist nur ein Zugangsschlüssel aus zwölf oder vierundzwanzig Wörtern, den man auf Papier oder USB Stick über die Grenze bringen kann.
Gold und Edelsteine müssen körperlich transportiert werden und können an der Grenze oder per Gesetz eingezogen werden, wie das amerikanische Goldverbot von 1933 zeigt. Die Wörter von Bitcoin lassen sich sogar auswendig lernen, sodass bei einer Kontrolle nichts vorhanden sein muss. Für Menschen in echter Not kann das den Unterschied machen. So kann Bitcoin auch einen sozialen Nutzen haben.
Auf der anderen Seite nutzen allerdings auch Kriminelle und autoritäre Regime dieselbe Eigenschaft, wenn sie ihr Vermögen vor Strafverfolgung und Sanktionen verstecken wollen.

Mehr als ein Stromfresser, aber kein grünes Investment

Bitcoin würde einem zunächst nicht als nachhaltiges Investment in den Sinn kommen. Mit ihm verbindet man vor allem einen enormen Stromverbrauch. Ein Asset, das viel Strom verbraucht und zunächst keine klassische Wertschöpfung bringt, kann kaum ökologisch sein.
Doch Bitcoin bietet mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
Miner lassen sich fast überall aufstellen und schnell abschalten. Sie können deshalb Strom nutzen, für den es sonst keinen Abnehmer gäbe. Anlagen müssen ihn dann nicht mehr zu negativen Preisen loswerden und können zusätzliche Einnahmen erzielen. Auch die Wärme der Rechner lässt sich unter Umständen weiterverwenden.
Zum grünen Investment wird Bitcoin dadurch nicht. Aber sein Image scheint besser, als die große Zahl beim Stromverbrauch vermuten lässt. Für nachhaltige Anleger, die an die Idee von Bitcoin glauben oder schlicht an den Kursgewinnen teilhaben möchten, können diese Ansätze zumindest ein besseres Gefühl geben.

Disclaimer

Bitcoin ist ein sehr riskantes Investment. Der Kurs kann innerhalb kurzer Zeit stark fallen, und ein Totalverlust ist möglich. Dies ist ausdrücklich keine Empfehlung. Dieser Text dient ausschließlich der Information und ist keine Anlageberatung.

Quellen